Modul 1: Laute und Schrift

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1. Modul: Laute und Schriftzeichen

Das Modul 1 umfasst die folgenden Kursinhalte:

  • Die Śiva-Sūtras
  • Śikṣā – die Lautlehre
  • Einführung in die Devanāgarī-Schrift

 

Die Śiva-Sūtras

Die Śiva-Sūtras sind eine Gruppe von 14 Sūtras, die am Anfang der Sanskrit-Grammatik von Pāṇini stehen. Sie werden als Śiva-Sūtras bezeichnet, weil sie als eine Offenbarung Śivas gelten. Wie in einem alten Kommentar berichtet wird, ließ Śiva am Ende seines Tanzes vierzehnmal seine Trommel ertönen, um vier große Weise der Vorzeit zu einer höheren Ebene der Erfahrung zu führen. Die sprachliche Wiedergabe dieser Trommelschläge sind die Śiva-Sūtras.

Die Śiva-Sūtras enthalten eine eigenartige Aufzählung der Laute des Sanskrit, die von der gewöhnlichen Ordnung, in der die Laute des Sanskrit sonst aufgezählt werden, abweicht. Nachdem Pāṇini die in den Śiva-Sūtras vorliegende Aufzählung der Laute kennengelernt hatte, war er in der Lage, nach einem besonderen Verfahren Klassen von Lauten zu bezeichnen, die überall in seiner Grammatik für die Formulierung von Regeln gebraucht werden.

Wer sich die Śiva-Sūtras aneignet, der eignet sich das Lautsystem des Sanskrit in einer kompakten Weise an. Mit der Aneignung der Śiva-Sūtras erhält der Lernende zugleich einen Schlüssel zum Verständnis der Sanskrit-Grammatik Pāṇinis. Schließlich wird in der Sanskrit-Akademie Berlin die Praxis der Śiva-Sūtras als eine Basistechnik des Yoga der Sprache eingesetzt; dies wird genauer im vierten Modul ausgeführt.

Śikṣā – die Lautlehre

Nachdem sich der Lernende in Kurs A die Laute des Sanskrit anhand der Śiva-Sūtras angeeignet hat, wird er in Kurs B in die eigentliche Lautlehre des Sanskrit eingeführt. Grundlage dieser Einführung ist das klassische Werk der Lautlehre, die Pāṇinīya-Śikṣā. In diesem Werk wird zunächst dargelegt, wie sich die ersten Impulse des Sprechens im Selbst des Sprechenden bilden, wie sich diese Impulse sodann in physiologische Prozesse umsetzen, die schließlich die hörbaren Sprachlaute erzeugen. Nachdem dies dargelegt worden ist, werden die Sprachlaute im Hauptteil der Pāṇinīya-Śikṣā nach ihren besonderen Eigenschaften beschrieben. So wie die Sprachlaute in einem mehrstufigen Prozess aus dem Selbst hervorgegangen sind, lassen sich ihre besonderen Eigenschaften auch wieder zurückführen auf Strukturen der Intelligenz, aus der sie hervorgegangen sind. Diese Einsichten machen den eigentlichen Wert des Studiums der Lautlehre aus: Der Lernende erhält ein tieferes Verständnis vom Wesen der Sprachlaute.

Die Devanāgarī-Schrift

In dem Modul 1 Kurs werden zunächst die Grundelemente der Devanāgarī-Schrift eingeführt, mit denen die Laute des Sanskrit dargestellt werden können. Doch sind diese Grundelemente allein noch nicht ausreichend, um Sanskrit-Texte lesen und schreiben zu können, denn man kann beim Schreiben von Wörtern in der Devanāgarī-Schrift nicht einfach die Zeichen für Vokale und Konsonanten nebeneinandersetzen, so wie wir es von einer Buchstabenschrift wie dem lateinischen Alphabet her gewohnt sind.

Anders als in einer Buchstabenschrift werden in der Devanāgarī-Schrift Vokale und Konsonanten nicht durch Zeichen gleicher Rangordnung ausgedrückt und nebeneinandergesetzt, denn die Vokale werden nicht neben, sondern an den Konsonanten bezeichnet. Die Grundeinheiten der Schrift sind also nicht Zeichen für einzelne Laute, sondern Zeichen für Folgen von Konsonanten und Vokalen. Derartige Folgen sind Silben — es sind die kleinsten selbständigen Einheiten, in die der Fluss der Rede beim Sprechen zerlegt werden kann. Die einzelnen Laute dagegen sind, von den Vokalen abgesehen, keine selbständigen Einheiten der Rede, sondern werden erst in einem Vorgang der Reflexion aus den Silben abstrahiert.

Indem die Devanāgarī-Schrift primär Silben, nicht Laute bezeichnet, entspricht sie in ihrem Aufbau der natürlichen Ordnung der Sprache. Das Lesen und Schreiben der Devanāgarī-Schrift vermittelt uns daher eine ganz andere Erfahrung als das Lesen und Schreiben in einer Buchstabenschrift, in der die natürliche Ordnung der Sprache nicht abgebildet wird.

In dem Modul 1 Kurs wird eine systematische Einführung in die Besonderheiten der Devanāgarī-Schrift gegeben. Mit den dabei erworbenen Kenntnissen können bereits kleinere Sanskrit-Texte gelesen und rezitiert werden.

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